Beim „Politischen Ascherfreitag“ im Vereinsheim des ATS Mitterteich lag spürbare Spannung im Raum. Als Johann Brandl, SPD-Ortsvorsitzender und Zweiter Bürgermeister von Mitterteich, ans Rednerpult trat, machte er sofort deutlich, wie sehr ihn die politische Lage im Landkreis beschäftigt.
Mit fester Stimme kritisierte er die CSU-nahe Liste Zukunft, die kurz vor der Wahl erneut aufgetreten war. Für Brandl war das „eine Sauerei“ – ein taktisches Manöver, das der CSU zur absoluten Mehrheit im Kreistag verhelfen solle. „So etwas darf in Zukunft nicht mehr passieren“, sagte er. Für die Landratswahl zeigte sich Brandl jedoch optimistisch und hoffte auf eine Stichwahl unter SPD-Beteiligung.
Musikalisch umrahmt von Helmut Plommer, übernahm anschließend Dr. Carolin Wagner, Bundestagsabgeordnete und SPD-Bezirksvorsitzende, das Wort. Sie verstand es, das Publikum sofort mitzunehmen. Die SPD, so Wagner, stehe weiterhin verlässlich für Gerechtigkeit ein – ohne Show, ohne Inszenierung. „Wir machen Politik für die Menschen, nicht für die Kameras“, betonte sie mit Nachdruck.
In ihrer Rede formulierte Wagner klare Kritik an Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, den sie als Paradebeispiel für Populismus beschrieb. Obwohl er eine zentrale Verantwortung für die bayerische Wirtschaft trage, widme er sich ihrer Ansicht nach überwiegend jagdpolitischen Fragen. „Neunzig Prozent seiner Energie setzt er darauf, endlich den Wolf abzuschießen – für Wirtschaftspolitik bleiben ihm nur zehn Prozent“, so Wagner. Beim Stellenabbau in der Region reagiere er kaum, erscheine jedoch bei Bauernprotesten regelmäßig auf der Bühne.
Auch Ministerpräsident Markus Söder blieb nicht außen vor. Wagner wies darauf hin, dass er lediglich an elf von 82 Bundesratssitzungen teilgenommen habe. Offenbar benötige er viel Zeit für Social-Media-Formate, merkte sie mit einem Seitenhieb auf „Söder isst“ an. Außerdem fehle ein klarer Plan für die Krankenhauslandschaft und die wirtschaftliche Transformation Bayerns.
SPD-Kreisvorsitzender Uli Roth nahm diesen Faden auf und erinnerte daran, dass die SPD seit jeher für gute Arbeit und faire Löhne stehe. Gleichzeitig beobachte er mit Sorge, dass manche Unternehmen zunehmend auf staatliche Unterstützung setzten – etwa durch wiederholte Kurzarbeitsverlängerungen – und damit letztlich auf Kosten der Steuerzahler wirtschafteten.
Den Abschluss bildete SPD-Landratskandidat Muhammet Dal, der sichtbare Resonanz im Publikum erhielt. Er berichtete von seinen bisherigen Haustürbesuchen: 800 von geplant 1000 habe er bereits absolviert, ohne eine einzige Abweisung. Überall sei die Unzufriedenheit mit der aktuellen Landkreisführung spürbar gewesen. Dal stellte sich als „Landmensch“ aus Erbendorf vor, fest verwurzelt in der Region. Sein Anspruch: „Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der Mensch.“
Besonders wichtig ist ihm die medizinische Versorgung. Die Notfallaufnahme müsse dringend verbessert werden, betonte er. Zudem stehe für ihn außer Frage, dass das Krankenhaus in kommunaler Hand bleiben müsse. „Ein Krankenhaus darf nicht von Gewinnen abhängig sein – schon gar nicht in einem der reichsten Länder der Welt. Wenn es so weit kommt, läuft grundsätzlich etwas falsch“, sagte Dal.